Nach diesen Sätzen muss man kotzen, weil...  (Zeitgemäß) Verfasst: Mittwoch, den 08. September 2010 14:16

Vergangene Woche spielte die BILD-Zeitung Guido Westerwelle und gab sich als vermeintliches Sprachrohr der schweigenden Mehrheit der deutschen Bevölkerung aus. Der Anlass dafür war natürlich Thilo Sarrazin mit seinen Äußerungen bezüglich der Intelligenz muslimischer Einwanderer. Die schweigende Mehrheit äußert sich laut BILD in gigantischen 18 Prozent, die eine "Sarrazin-Partei" wählen würden. 18 Prozent sind jedoch weder eine Mehrheit, noch haben sie die geringste Aussagekraft, da ebenso viele Deutsche nach der gleichen Umfragemethode Horst Schlämmer gewählt hätten. Siehe dazu den schönen Artikel auf dem Bildblog.

Doch das alleine reichte der BILD nicht. Sie wertete die Kritik an Sarrazins Thesen als Sprechverbote und (Sprachrohr!) drehte den Spieß um. Die Politiker würden das Recht auf Meinungsfreiheit untergraben. Die Kampagne "Wir wollen keine Sprechverbote" wurde gestartet.

In einem der dazugehörigen Artikel, "Diese Sätze muss man sagen dürfen, weil...", baute die Online-Redaktion Sätze von Politikern ein, die Sarrazin kritisierten und gab ihre Meinung dazu ab, unter dem Motto: "BILD meint:"

BILD meint, es sollte keine Sprechverbote geben. Schmand meint, das kollidiert mit dem Grundgesetz. Denn Alle Grundrechte, auch die Freiheit der Meinungsäußerung, finden ihre Grenzen in den Gesetzen. Verunglimpfung von Minderheiten und, etwas überspitzt, Volkshetze gehören dazu. Oder möchte BILD, dass die ersten beiden Strophen der Nationalhymne wieder erlaubt werden?

Doch von dieser allgemeinen Tatsache abgesehen, möchte ich die genannten Zitate noch im Einzelnen betrachten.

1. "Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU): „Das, was er gemacht hat, verstößt mindestens gegen den Grundsatz: ,Das tut man nicht.’ Wir brauchen keine Belehrung. Wir wissen um höhere Gewaltneigung bestimmter Ausländer. Wir wissen um Integrationsprobleme. Die Fragen, die Sarrazin stellt, stellt sich die Politik längst.“"

"BILD meint: Warum hat dann niemand was getan, wenn alle Probleme soooo bekannt sind?"

Schmand meint: Weil seriöse Lösungen finden länger dauert, als ein polemisches Buch zu schreiben. Und weil es wesentlich schwieriger ist, sinnvolle Maßnahmen zu beschließen, als einen soooo undifferenzierten Beitrag zu schreiben.

 

2. "CSU-General Alexander Dobrindt: „Der Typ hat einen Knall. Aber man muss über Integration in Deutschland diskutieren und über den mangelnden Integrationswillen von türkischstämmigen und muslimischen Migranten sprechen.“

"BILD meint: Warum hat er dann einen Knall?"

Schmand meint: Weil "über Integration diskutieren" etwas anderes ist, als Muslime als dumm zu bezeichnen. Zugegebenermaßen aber eine unglückliche Formulierung von Dobrindt.

 

3. "Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD): „Er ist offensichtlich bei der Bundesbank nicht ausgelastet und freut sich über den Medienrummel, der entstanden ist. Es ist auch ein „großes Stück Eitelkeit dabei“."

"BILD meint: Und Sie sind gar nicht eitel...?"

Schmand meint: Sehr sachdienlich, liebe BILD!

4. "Grünen-Chefin Claudia Roth: „Gespräche helfen bei diesem Quartalsirren nicht weiter.“

"BILD meint: Irre ist, wer anderen das Reden verbieten will."

Schmand meint: Wär' irre, wenn man es euch verbieten könnte!

 

5. "Grünen-Politiker Daniel Cohn-Bendit: „Dieser Mann ist einfach nur dumm und ein Irrer.“

"BILD meint: Unsachlichkeit hilft auch nicht weiter."

Schmand meint: ... sprach die BILD-Zeitung. Wie war das beim Wowereit?

 

6. "Grünen-Chef Cem Özdemir: „Er ist kein seriöser Gesprächspartner.“

"BILD meint: Zur Politik gehört auch, sich mit unbequemen Gesprächspartnern unterhalten zu können."

Schmand meint: Hat nie jemand was gegen gesagt. Und wenn sich in der Politik jemand mit unbequemen Gesprächspartnern unterhält, dann die Grünen. Die sind in Hamburg mit der CDU in der Regierung und haben in NRW Koalitionsgespräche mit den Linken geführt. Abgesehen davon ist "unbequem" etwas anderes als "unseriös". Den Hauptkritikpunkt von Özdemir habt ihr geschickt umschifft.


7. "Michael Müller, Landes- und Fraktionsvorsitzender der Berliner SPD: „Er hat Freude an der allgemeinen Aufregung.“

"BILD meint: Woher wollen Sie das wissen?"

Schmand meint: Und woher wollt ihr wissen, dass die "schweigende Mehrheit" mit Sarrazin übereinstimmt? Ich denke, damit lehnt ihr euch weiter aus dem Fenster als Herr Müller. Woher ich das weiß? Hat mir die schweigende Mehrheit der BILD-Leser verraten.

Soviel dazu. Selten beim Lesen eines Beitrags so einen Brechreiz verspürt. Sogar bei der BILD.

Permalink

Nachrichten-Erlebnis  (Film und Fernsehen) Verfasst: Montag, den 06. September 2010 14:39

Erlebnis oder Informationswert? Oder beides?

Vor gut einem Jahr ging das ZDF in die Nachrichten-Offensive und modernisierte für 30 Millionen Euro sein Nachrichtenstudio, das nun virtueller denn je ist. In der Begründung zu diesem Schritt hieß es, man wolle die Informationen besser an den Zuschauer bringen, sie anschaulicher darstellen. Und durch Design und Multimedialität auch die jüngeren Generationen zum ZDF locken.

Im Sommer diesen Jahres wurden nun schrittweise Optimierungen des Nachrichten-Konzepts eingeführt. Im August wurde zunächst das Intro der "Heute"-Sendungen überarbeitet. Statt der ZDF-Uhr erhält der Zuschauer nun für einige Sekunden einen Einblick in den Regieraum. Diverse Monitore zeigen das Studio mit und ohne virtuelle Einblendungen und diverse Korrespondenten, die bereits "Gewehr bei Fuß" stehen. Schemenhaft sind auch ein bis zwei Mitarbeiter in der Regie zu erkennen.

Nun, pünktlich zum September, wurde eine weitere Neuerung in die Nachrichten eingebaut. Am Ende der Korrespondenten-Berichte und vorproduzierten Beiträge wurde die Einblendung des Autorennamens erweitert. Wo bisher nur der Name des Journalisten stand, wird nun eine halbtransparente (Welt-)Karte eingeblendet mit einer Markierung auf das ZDF-Studio, in dem der Beitrag produziert wurde.

Beide Neuerungen, Intro und Einblendungen, sollen Transparenz schaffen und Einblicke in Berichterstattung und Arbeitsweise des Fernsehens ermöglichen. Ich finde, sowohl das neue Intro, als auch die Studiokarten erfüllen ihren Zweck. Blicke "hinter die Kulissen" sind immer spannend. Insbesondere bei den Standorten der Auslands-Korrespondenten muss sich das ZDF auch keine Vorwürfe bezüglich unnötiger Spielereien gefallen lassen. Wenn wie zuletzt beim Erdbeben in Neuseeland darauf hingewiesen wird, dass der Bericht aus Singapur kam, hat das durchaus einen Informationswert. Dem Zuschauer wird damit verdeutlicht, dass für Gebiete wie Südost-Asien oder Afrika in der Regel nur ein Korrespondent stationiert ist und nicht immer unmittelbar vor Ort berichtet werden kann. Alleine aus der Singapur-Information lassen sich noch zahlreiche weitere Erkenntnisse ziehen. Wie viele davon beim Zuschauer letztendlich ankommen, sei einmal dahingestellt. Das Angebot bereit zu stellen, halte ich trotzdem für richtig.

Lediglich über die "Erklär-Ecke" und deren Nutzen sollte man noch einmal diskutieren. In Sachen Anschaulichkeit ist sie das einzige Element des Studios, das eine Verbesserung bringen könnte. Wenn ich allerdings in meinen Erinnerungen krame und an Nachrichten denke, für die sie genutzt wurde, drängt sich mir ihre Notwendigkeit nicht auf. Egal ob Petra Gerster nun anhand ihrer eigenen Größe demonstriert, wie unglaublich hoch fünf Meter beim Stabhochsprung wirklich sind, sie anhand virtueller Einblendungen erklärt, wie wenig Trinkwasser auf der Erde ist, oder ob sie das neue HBBTV-Prinzip erklärt. Beispiel eins war vollkommen überflüssig und die anderen beiden hätte man durch "klassische" Vollbild-Grafiken problemlos darstellen können. Man muss allerdings auch festhalten, dass der Einsatz der virtuellen Ecke mittlerweile nicht mehr störend ist.

"ZDF Heute" hebt sich immer weiter von der "Tagesschau" ab und das ist auch gut so. Der nachrichtliche Wert der Nachrichten der ARD steht dem des ZDF in nichts nach. Die "Heute"-Sendungen geben den interessierten und vor allem medienaffinen Menschen aber die Chance, zusätzliche Informationen zu erhalten. Mir gefallen die Neuerungen sehr gut. Ich bin gespannt, ob es in den nächsten Wochen und Monaten noch weitere Verfeinerungen gibt. Und natürlich ob einer der Korrespondenten auf den Intro-Bildschirmen vielleicht mal zu spät kommt oder irgendwelche Dummheiten macht.

Permalink

Boomdesliga  (Sport) Verfasst: Mittwoch, den 01. September 2010 19:45

"Die Liga boomt" ist wohl der Satz der letzten zwei bis drei Bundesligajahre schlechthin. Zuschauerrekorde en masse, hohe Torquoten und ab dem nächsten Jahr vermutlich wieder der dritte Platz in der UEFA 5-Jahres-Wertung steigerten die Attraktivität des deutschen Oberhauses in den letzten Jahren kontinuierlich.

Die Liga ist wieder gefragt. Bei der Weltmeisterschaft in Südafrika stellte nur die englische Premier League mehr Spieler. Spätestens seit das Transferfenster gestern Nacht geschlossen wurde, ist die Bundesliga in dieser Statistik nicht nur in der Breite ganz weit vorne, sondern auch in der Spitze. Die Zahl der Weltstars, die bei Bundesligavereinen unter Vertrag stehen, hat in letzter Zeit stark zugenommen. Noch vor fünf Jahren spielten allemals bei den Bayern Fußballer von internationalem Format: Lucio, Zé Roberto oder Roy Makaay. Auch in Bremen hatte man den einen oder anderen Topmann im Kader. Aber auch der Stratege Micoud, das Stürmerduo Klose/Klasnic und Zauberkünstler Diego schafften es nicht, zu international top gehandelten Spielern zu reifen.

Mittlerweile haben wir in der Bundesliga nicht nur Spieler erlebt, die anschließend bei internationalen Topclubs ihre Leistung brachten (van der Vaart, Ballack und hoffentlich bald Özil und Khedira), sondern wir werden vor allem in diesem Jahr so viele Weltstars erleben wie lange nicht mehr. An Ribéry haben wir uns mittlerweile schon gewöhnt, Arjen Robben kommt hoffentlich bald wieder zurück, van Nistelrooy scheint wieder zu alter Form zurück zu finden, Müller und Schweinsteiger können hoffentlich die weltklasse WM-Form konservieren und Raúl ist zwar nicht mehr der Jüngste, aber immer noch Raúl. Was dann an den letzten beiden Transfertagen passierte, konnte aber keiner kommen sehen. Mit Mauro Camoranesi wechselt ein Weltmeister von 2006 nach Stuttgart, mit Mikael Silvestre ein Vize nach Bremen. Über allen thront jedoch der "Königstransfer" zu den Königsblauen. Klaas Jan Huntelaar. Alleine der Name ist schon Musik in den Ohren eines jeden Fußballliebhabers. Er zusammen mit Raúl und Ivan Rakitic in der Schalker Offensive... das kann gut werden. Da rückt sogar die Wiederkehr von Diego in die Liga in den Hintergrund.

Schade ist bloß, dass gerade der Wechsel des Holländers einen faden Beigeschmack hat. Stuttgart und Bremen hatten viel Geld übrig, das ihnen Real Madrid für Khedira und Özil überwiesen hat. Das haben sie noch nicht einmal aufgebraucht. Camoranesi kostete "nur" zwei Millionen Euro, Silvestre (vorher Arsenal London) kam gar ablösefrei. Felix Magath bei Schalke hingegen dreht jetzt völlig am Rad. Alleine die Ablösesumme für Huntelaar betrug 14 Millionen Euro. Geld, das der Verein nicht hat. Vom Gehalt ganz zu schweigen. Mit Huntelaar ist der Gelsenkirchener Kader inzwischen auf gigantische 37 Spieler angewachsen. Bayern beschäftigt 24 Spieler.

Magath kauft sich wie wild Spieler zusammen und versucht, diese zu einer Mannschaft zu formen. Dabei ist er zum Erfolg verdammt. Denn bleiben dieser und die damit einhergehenden Millioneneinnahmen aus, treibt der den ohnehin schon finanziell maroden Verein in den Ruin. Da muss einem, bei aller Antipathie, das Bayern-Konzept besser gefallen. Fünf bis sechs Spieler der Stammformation kommen aus der eigenen Jugend, die eingekauften Stars (Robben, Ribéry, Olic), ohnehin häufig verletzt, geben dem Ganzen nur die internationale Würze.

Fragwürdig wie Magaths Konzept sein mag, der Bundesliga selbst kann der eine oder andere Topspieler nur gut tun. Sie steigern die Attraktivität der Liga und machen Lust auf die Partien. Der aktuelle Stand der Liga gefällt mir äußerst gut. Sie ist keine Premier League, in der so viele internationale Superstars spielen, dass die eigene Jugend vernachlässigt wird, sie ist aber auch keine holländische Eredivisie, die eine ewige Talentschmiede bleiben wird, deren Spieler heraus gekauft werden, sobald sie stark genug sind.

Die Vorzeichen, dass es dieses Jahr wieder einen enorm hohen Zuschauerschnitt geben wird, stehen gut. Die Liga boomt. Und das zu Recht.

Permalink

Leipzig stinkt!  (Uni-versum Leipzig) Verfasst: Dienstag, den 31. August 2010 19:27

Niemals hätte ich es für möglich gehalten, dass ich einmal diese Worte aussprechen müsste. Aber es hat keinen Sinn, sich der Wahrheit zu verschließen. Leipzig stinkt - gewaltig! Und das meine ich wörtlich. Nicht so, wie man im Fußball gerne sagt: "Bayern stinkt!" oder so. Nein. Die Leipziger Luft riecht heute einfach nur widerlich.

Egal, ob in der Innenstadt oder in meinem Viertel - man hat den Eindruck, die Stadtreinigung hätte letzte Nacht statt Wasser Gülle getankt und damit die Straßen benetzt.

Mit dieser Meinung stehe ich nicht alleine da. Die Tatsache, dass es stinkt, ist empirisch validiert, intersubjektiv verifiziert, von unabhängigen Experten bestätigt. Wie auch immer man es nennen will. Das beruhigt mich einerseits, da ich dadurch ausschließen kann, dass es an mir liegt. Andererseits bereitet es mir auch Sorgen. Woher kommt der Gestank? Wann geht er wieder? Und wann wird es den ersten Katastrophen-FilmFilm auf Sat1 geben: "Gestank - Hauch des Todes"?

Viele Fragen, keine Antworten. Nur die Hoffnung, dass sich die Chemnitzer Landluft möglichst schnell wieder verzieht.

Permalink

WM Fun Facts #7  (Sport) Verfasst: Sonntag, den 29. August 2010 20:54

Die Fußball-WM ist zwar seit anderthalb Monaten vorbei, angesichts der Ereignisse des Wochenendes muss ich jedoch noch einmal die Rubrik der Fun Facts ausgraben.

Die Weltmeisterschaft in Südafrika glänzte in erster Linie durch Torlosigkeit. Gerade mal 140 Tore in 64 Spielen ergaben eine magere Torquote von 2,19 Toren pro Spiel.

Wie es besser geht, zeigt aktuell die Bundesliga. Alleine in den beiden Sonntagsspielen (3:6 und 1:3) fielen 13 Tore. Insgesamt kommt die Liga damit an nur zwei Spieltagen auf stolze 67 Treffer. Der himmelweite Unterschied zur WM wird durch die Quote deutlich.  Den gut zwei Toren pro WM-Spiel stehen beeindruckende 3,72 pro Bundesliga-Spiel gegenüber.

Würde die Liga diesen Schnitt beibehalten, käme sie am Ende auf den Rekordwert von insgesamt 1139 Toren. Zum Vergleich: In der Saison 2008/09 war die Bundesliga die torhungrigste Liga. Sie kam damals auf 869 Tore, was einem Schnitt von 2,84 Toren pro Spiel entspricht. Letztes Jahr waren die Vereine mit 866 Treffern nur geringfügig schlechter.

Was lernen wir daraus? Wir werden wohl keine 1139 Bundesligatore erleben. Trotzdem ist die Liga wesentlich attraktiver als die WM. Und wird das voraussichtlich auch bleiben.

Ein bisschen "hätte, wenn und aber" muss an dieser Stelle erlaubt sein. Mit der aktuellen Bundesligaquote wären beider WM 238 Tore gefallen, mit der der letzten beiden Spielzeiten immerhin noch 181. Was wäre das für ein Turnier gewesen...

Permalink



Toolbar öffnen
Toolbar schließen

Du musst eingeloggt sein, um Nachrichten schmand

Dafür musst Du eingeloggt sein! schmand Deine Freunde zu schreiben

 
Blog erstellen