Vergangene Woche spielte die BILD-Zeitung Guido Westerwelle und gab sich als vermeintliches Sprachrohr der schweigenden Mehrheit der deutschen Bevölkerung aus. Der Anlass dafür war natürlich Thilo Sarrazin mit seinen Äußerungen bezüglich der Intelligenz muslimischer Einwanderer. Die schweigende Mehrheit äußert sich laut BILD in gigantischen 18 Prozent, die eine "Sarrazin-Partei" wählen würden. 18 Prozent sind jedoch weder eine Mehrheit, noch haben sie die geringste Aussagekraft, da ebenso viele Deutsche nach der gleichen Umfragemethode Horst Schlämmer gewählt hätten. Siehe dazu den schönen Artikel auf dem Bildblog.
Doch das alleine reichte der BILD nicht. Sie wertete die Kritik an Sarrazins Thesen als Sprechverbote und (Sprachrohr!) drehte den Spieß um. Die Politiker würden das Recht auf Meinungsfreiheit untergraben. Die Kampagne "Wir wollen keine Sprechverbote" wurde gestartet.
In einem der dazugehörigen Artikel, "Diese Sätze muss man sagen dürfen, weil...", baute die Online-Redaktion Sätze von Politikern ein, die Sarrazin kritisierten und gab ihre Meinung dazu ab, unter dem Motto: "BILD meint:"
BILD meint, es sollte keine Sprechverbote geben. Schmand meint, das kollidiert mit dem Grundgesetz. Denn Alle Grundrechte, auch die Freiheit der Meinungsäußerung, finden ihre Grenzen in den Gesetzen. Verunglimpfung von Minderheiten und, etwas überspitzt, Volkshetze gehören dazu. Oder möchte BILD, dass die ersten beiden Strophen der Nationalhymne wieder erlaubt werden?
Doch von dieser allgemeinen Tatsache abgesehen, möchte ich die genannten Zitate noch im Einzelnen betrachten.
1. "Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU): „Das, was er gemacht hat, verstößt mindestens gegen den Grundsatz: ,Das tut man nicht.’ Wir brauchen keine Belehrung. Wir wissen um höhere Gewaltneigung bestimmter Ausländer. Wir wissen um Integrationsprobleme. Die Fragen, die Sarrazin stellt, stellt sich die Politik längst.“"
"BILD meint: Warum hat dann niemand was getan, wenn alle Probleme soooo bekannt sind?"
Schmand meint: Weil seriöse Lösungen finden länger dauert, als ein polemisches Buch zu schreiben. Und weil es wesentlich schwieriger ist, sinnvolle Maßnahmen zu beschließen, als einen soooo undifferenzierten Beitrag zu schreiben.
2. "CSU-General Alexander Dobrindt: „Der Typ hat einen Knall. Aber man muss über Integration in Deutschland diskutieren und über den mangelnden Integrationswillen von türkischstämmigen und muslimischen Migranten sprechen.“
"BILD meint: Warum hat er dann einen Knall?"
Schmand meint: Weil "über Integration diskutieren" etwas anderes ist, als Muslime als dumm zu bezeichnen. Zugegebenermaßen aber eine unglückliche Formulierung von Dobrindt.
3. "Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD): „Er ist offensichtlich bei der Bundesbank nicht ausgelastet und freut sich über den Medienrummel, der entstanden ist. Es ist auch ein „großes Stück Eitelkeit dabei“."
"BILD meint: Und Sie sind gar nicht eitel...?"
Schmand meint: Sehr sachdienlich, liebe
BILD!
4.
"Grünen-Chefin Claudia Roth: „Gespräche
helfen bei diesem Quartalsirren nicht weiter.“
"BILD meint: Irre ist, wer anderen das Reden verbieten will."
Schmand meint: Wär' irre, wenn man es euch verbieten könnte!
5. "Grünen-Politiker Daniel Cohn-Bendit: „Dieser Mann ist einfach nur dumm und ein Irrer.“
"BILD meint: Unsachlichkeit hilft auch nicht weiter."
Schmand meint: ... sprach die BILD-Zeitung. Wie war das beim Wowereit?
6. "Grünen-Chef Cem Özdemir: „Er ist kein seriöser Gesprächspartner.“
"BILD meint: Zur Politik gehört auch, sich mit unbequemen Gesprächspartnern unterhalten zu können."
Schmand meint: Hat nie jemand was gegen gesagt. Und wenn sich in der Politik jemand mit unbequemen Gesprächspartnern unterhält, dann die Grünen. Die sind in Hamburg mit der CDU in der Regierung und haben in NRW Koalitionsgespräche mit den Linken geführt. Abgesehen davon ist "unbequem" etwas anderes als "unseriös". Den Hauptkritikpunkt von Özdemir habt ihr geschickt umschifft.
7.
"Michael Müller, Landes- und Fraktionsvorsitzender der
Berliner SPD: „Er hat Freude an der allgemeinen
Aufregung.“
"BILD meint: Woher wollen Sie das wissen?"
Schmand meint: Und woher wollt ihr wissen, dass
die "schweigende Mehrheit" mit Sarrazin übereinstimmt? Ich denke,
damit lehnt ihr euch weiter aus dem Fenster als Herr Müller. Woher
ich das weiß? Hat mir die schweigende Mehrheit der BILD-Leser
verraten.
Soviel dazu. Selten beim Lesen eines Beitrags so einen Brechreiz
verspürt. Sogar bei der BILD.







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